Nach der Wahl wird alles anders…

… nur die soziale Ungleichheit, die bleibt. Glückwunsch! Deswegen:

    Prakti-Streik 09. Erst recht nach der Bundestagswahl. Wie eine Umfrage von fairwork e.V. vor der Wahl zeigt, verspricht eine schwarz-gelbe Regierung wenig Verbesserung im Sinne der Praktikanten.

    Fast 40 Prozent der Akademiker in Deutschland absolvieren nach ihrem Studium ein Praktikum, mehr als die Hälfte von ihnen ohne finanzielle Entlohnung. Das ist das Ergebnis einer Studie der DGB Jugend und der Hans Böckler Stiftung. Nach Angaben der Untersuchung aus dem Jahr 2007 gehen mehr als ein Drittel der Praktikanten neben ihrer regulären Arbeitszeit einer weiteren Beschäftigung nach. Nur so kann der Lebensunterhalt gesichert werden. Die Folge: Praktikant kann nur der sein, der es sich leisten kann.

    Was die neuen Koalition aus CDU/ CSU und FDP über die Situation von Praktikanten denkt, könnt ihr hier lesen

    Wie wenig die CDU/CSU über die prekäre Lage von Praktikanten informiert ist, zeigt eine Aussage ihres Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales. „Praktikanten sind in Deutschland rechtlich gut vor Ausbeutung geschützt“, erklärt Arnd Busche. Dass die Aussage nur wenig mit der Realität übereinstimmt, zeigen die Angaben der Betroffenen: Rund 25 Prozent von ihnen ersetzen inzwischen einen regulären Vollzeitangestellten. Das viel zitierte Argument einer Ausbildungschance ist längst überholt. So überrascht die Ankündigung von Busche wenig, seine Fraktion wolle an der bestehenden Rechtslage festhalten.

    Genauso wie die CDU/CSU sieht die FDP das Praktikum als „berufliche Orientierung“ von Hochschulabsolventen. Die verbreitete Angst der Betroffenen über eine fehlende Perspektive weist Bildungsreferent Volker Adams als unbegründet zurück: „Hochschulabsolventen sind in vergleichsweise geringem Umfang von beruflichen und finanziellen Problemen betroffen.“ Die Aussage gilt aber nicht für alle Akademiker. So zeigt die Studie, dass wesentliche Unterschiede zwischen den Studienfächern existieren. Vor allem Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftler absolvieren deutlich häufiger ein Praktikum als Wirtschaftswissenschaftler. Neben der Anzahl der Praktika herrschen auch in der Vergütung wesentlich größere Unterschiede zwischen Absolventinnen und Absolventen: Die Bezahlung von Frauen ist im Schnitt deutlich schlechter als die der Männer.

    Wir fordern mehr politische Realität der Parteien und rufen: „Uns gibt es nicht umsonst!“ Alle Praktikanten, auch ehemalige und zukünftige, sind aufgefordert, sich unseren Forderungen anzuschließen und am 9. Oktober 2009 um 10 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin zu streiken.